Die Geschichte des Striezels

Laut alten Überlieferungen soll der Striezel seine Form aus religiösen Gedanken gefunden haben. So versinnbildlichen z.B. der Pfannkuchen die Form des Schwammes, mit welchem der Heiland am Kreuz getränkt wurde, die Brezel, welche als Fessel angesehen wird und der Christstollen das in weiße Windeln gewickelte Christkind.

Der Striezel wird zum ersten Male im 14. Jahrhundert erwähnt, und es ist anzunehmen, dass sein Ursprung in den Mauern mittelalterlicher Klöster zu suchen ist. Es machten sich wohlbetuchte Leute zur Tradition, dieses Gebäck zu Christi Geburt zu verspeisen. Denn die wohlmundenden Gewürze, die verwendet wurden, stammten zum Teil aus dem Orient, und der Transport war natürlich sehr kostspielig. Doch die Sache hatte einen Haken, denn in der Stollenzeit, welche gleichzeitig Fastenzeit ist, war die Verwendung von Butter verboten, so dass man auf Öle zurückgreifen musste. Also schrieben der Kurfürst Ernst und sein Bruder Albrecht von Sachsen an den Papst die Bitte, die Verwendung von Butter für den Christstollen freizugeben, denn die Öle aus Rüben verursachten einen unangenehmen Geruch und waren schwer verdaulich, so dass der Stollengenuss kein Genuss im eigentlichen Sinne mehr war.

Der Papst ging auf diese Bitte auch ein, denn er sah ein, dass es hier nur wenig und schlechtes Öl gab und man teures aus anderen Ländern hätte einkaufen müssen, obwohl man den besten Rohstoff überhaupt, nämlich die Butter in Massen vor der Haustür hatte. Der Papst machte sich diese Tatsache zu Nutze und erließ 1491 folgendes Dekret: „Beim Stollenbacken sei der zwanzigste Teil eines Goldguldens zum Freiberger Dombau jährlich zu entrichten“. So begann der Siegeszug des Christstollens.

Es dauerte aber eine Weile bis er als die Attraktion des Festes unter dem Tannenbaum lag, der übrigens im Jahre 1646 in Straßburg seinen Ursprung hat. Doch über die Jahre entwickelte sich der Stollen als Symbol und zum typischen Gebäck für die Weihnachtszeit. Als dann im Jahre 1670 die erste Kaffeestube in Dresden öffnete und sich der Duft des Stollens mit dem Aroma des Kaffees vermischte, war der Siegeszug des Dresdner Christstollens nicht mehr aufzuhalten. Von da an „ditschte“ der Sachse seinen Stollen in Kaffee.

Zur Weihnachtszeit wollte man in Dresden dem Licht nahe sein und schmückte deshalb auch den Tannenbaum und Nadelsträuße mit Lichtern und Goldlametta. Da man dies öffentlich genießen wollte, entwickelte sich so langsam aber sicher der Striezelmarkt, nach gleichnamigem Backwerk benannt, welches sich in Dresden durch seine Schwere und die Vielzahl, bzw. die Qualität seiner Inhaltsstoffe auszeichnet. So gibt es natürlich viele verschiedene Rezepte, und es wird von einem Urrezept gemunkelt, das aber eigentlich keinem mehr bekannt ist. Doch Tatsache ist, dass jeder seine Rezeptur streng hütet und nur von ihr überzeugt ist. Ein altes Rezept verrät: nur fette Sahne, eine Metze gesiebten Weizenmehles, vier Pfund Butter, sechs Pfund entkernte Rosinen, zwei Pfund gestoßene und eine Handvoll bitterer Mandeln, einen großen Haufen an Zitronat und Orangeat, ein Hauch Muskatblüte über ein Stück Zucker gerieben. Die Rosinen werden vorher in Arrak und Rum getränkt, um ihr Aroma zu entfalten. Doch wer weiß schon, was zu diesem Grundrezept noch gegeben wurde?

In der heutigen Zeit wurde ein Stollenschutzverband gegründet, welcher eine Grundrezeptur für die Kunden garantiert.

Wir backen unsere Stollen nun seit drei Generationen nach altem Familienrezept und verwenden nur die besten Zutaten, um eine ausgezeichnete Qualität zu garantieren. Auch die Menge der von uns zugegebenen Butter, Rosinen, Mandel und Zuckerfrüchte liegt weit über der vom Stollenschutzverband geforderten Rezeptur. Dies wird mit einem aromatischen, wohlschmeckenden Stollen belohnt und auch jedes Jahr durch die Verleihung des Stollen-Gütesiegels belegt.

Nicht umsonst ist die Konditorei Gradel Gewinner der Gold- und Ehrenmedaille der Gastro-Ausstellung 1932 und der Gold- und Silbermedaille der Weltmeisterschaften der Konditoren in Barcelona 1998.

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